Wo bleibt der Nachwuchs in der Deutschschweiz?
20.12.08
Viele Deutschschweizer Bibliotheken stellen fest, dass die Nachfrage nach Praktikumsplätzen für das einjährige Vorpraktikum deutlich zurück gegangen ist. Das Praktikum ist für Maturandinnen und Maturanden, die das Fachhochschulstudium in Informationswissenschaft aufnehmen möchten, Voraussetzung zur Zulassung. Der Nachfragerückgang hat bereits dazu geführt, dass Praktikumsplätze gestrichen oder umgewidmet wurden. Ein verhängnisvoller Kreislauf!
Die Auswirkungen sind an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur spürbar: 2007 und 2008 haben nur noch knapp zwanzig Studierende das Vollzeitstudium aufgenommen, während es in den vorausgehenden Jahren meist knapp dreissig waren. (Beim Teilzeitstudium in Zürich ist mit rund 35 Studienanfängern dagegen nur ein ganz leichter Rückgang spürbar. Diese Studierenden verfügen im Normalfall schon über einige Jahre Berufserfahrung, z. B. im Buchhandel.) Die Zahl der bisherigen IuD-Assistentinnen, die nach der Berufslehre das Fachhochstudium aufnehmen, ist mit knapp 10% der Studienanfängerinnen seit Jahren konstant.
Insgesamt bildet die HTW Chur für den Deutschschweizer Markt zu wenig Informationswissenschafter aus. Die Absolventinnen und Absolventen der Churer Ausbildung finden mühelos Stellen. Auf Stellenausschreibungen von Bibliotheken geht aber oft nur eine sehr bescheidene Zahl an geeigneten Bewerbungen ein, vor allem wenn es sich um Positionen des mittleren Kaders handelt. Diese Stellen wurden in den letzten Jahren vermehrt mit Kräften aus dem Ausland besetzt.
Berufsleute mit einer Matur, also einer soliden Allgemeinbildung als Grundlage, bilden seit Jahrzehnten ein wichtiges Standbein in Bibliotheken und Dokumentationsstellen. Waren es früher die Diplombibliothekarinnen BBS und EBG so sind es heute Absolventinnen mit einem Fachhochschulabschluss oder der Befähigung zur Berufsmatur.
Offensichtlich gelingt es uns gegenwärtig nicht, genügend Maturandinnen und Maturanden für unsere Berufsfelder zu gewinnen. Verschiedene Gründe wirken dabei mit:
- Das Angebot an Fachhochschulstudien ist breiter geworden.
- Das Berufsbild der Dokumentalistin, Bibiliothekarin oder Mitarbeiterin in einem Archiv ist durch die Bezeichnungen „Informations- und Dokumentationsspezialistin“ und neu „Informationswissenschafterin“ verschwommener geworden.
- Gegenwärtig ist ein allgemeiner Trend zum Teilzeitstudium festzustellen, das einen Nebenverdienst ermöglicht.
- Der dezentrale Studienort Chur mag nicht für alle Interessentinnen attraktiv sein.
Verschiedene Berufsrichtungen müssen heute vermehrt um ihren Nachwuchs kämpfen. Offensichtlich gehören die IuD-Institutionen auch dazu. Dabei haben wir eigentlich gute Karten. Die meisten unserer Institutionen werden von einer grossen Zahl potentieller Studienanfängern frequentiert: Mittelschülerinnen und Mittelschülern! Kaum eine Bibliothek oder Dokumentationsstelle weist aber in ihren Räumen oder auf ihrer Webseite auf die Ausbildungsgänge hin, die ihrem Nachwuchs dienen.
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur bietet den Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen an, Werbung für das Fachhochschulstudium zu machen und wird im ersten Quartal 2009 Informationsmaterial zur Verfügung stellen: ein Kleinplakat, Flyers und eine Studiengangsbroschüre. Die entsprechenden Muster werden dem Versand des BIS für die Kollektivmitglieder von Ende Februar beigelegt. Schon jetzt bitten wir die Archive, Bibliotheken und Dokumentationsstellen, aktiv bei der Werbung mitzuwirken.
Ihre weiteren Anregungen nimmt gerne entgegen:
Prof. Dr. Robert Barth
Studienleiter Informationswissenschaft Bsc
Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur
Ringstrasse 34
CH-7004 Chur
0041 (0)81 286 24 51
robert.barth@fh-htwchur.ch
www.fh-htwchur.ch
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